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Wie populär ist Klassik?

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Schlemmer, Kathrin ; James, Mirjam:
Wie populär ist Klassik?
2009
Veranstaltung: Jahrestagung 2009 der Deutschen Gesellschaft für Musikpsychologie "Musikpsychologie und Populäre Musik", 11.-13.09.2009, Universität Kassel.
(Veranstaltungsbeitrag: Kongress/Konferenz/Symposium/Tagung, Vortrag)

Kurzfassung/Abstract

Bei der Untersuchung von Musikpräferenzen wird zwischen der Bewertung klingender Musik und der Beurteilung verbaler Stilkategorien unterschieden. Die beiden Methoden können zu unterschiedlichen Ergebnissen führen, vor allem wenn es um die Beurteilung „klassischer“ Musik geht (Behne, 1997). Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass die Beurteilung klingender Musik eher den privaten Geschmack der befragten Person abbildet, die Auswahl verbaler Stilkategorien dagegen eher die stereotype Meinung der Bezugsgruppe (Gembris, 2005). So kann die bei Jugendlichen vorherrschende schlechte Beurteilung klassischer Musik als Ablehnung typischer Erwachsenenmusik aufgefasst werden. Darüber hinaus zeigen Feldforschungen, dass die reale Musikauswahl einer Person stark situationsabhängig ist (Sloboda, O’Neill & Ivaldi, 2001).

Ziel
Ziel dieser Studie war zum einen ein Vergleich der Bewertung klingender Musik mit der Beurteilung musikalischer Stilkategorien. Hierbei war das klingende Musikbeispiel ein reales Konzerterlebnis. Außerdem sollte geprüft werden, ob verschiedene Konzerterlebnisse einen unterschiedlichen Einfluss auf den Wunsch, weitere Konzerte zu besuchen, haben.

Methode
Bei 38 Schülern (Durchschnittsalter 17 Jahre) aus zwei Berliner Gymnasien wurden die Musikvorlieben mit verbalen Stilkategorien erhoben. Dann wurden die Schüler in Gruppen aufgeteilt, die klassische Musik in verschiedenen Kontexten hörte: Gruppe 1 (n=10) besuchte eine Veranstaltung der Yellow Lounge (Klassik im Club), Gruppe 2 (n=9) besuchte ein klassisches Konzert in der Philharmonie bzw. im Konzerthaus, Gruppe 3 (n=9) hörte klassische Musik im Musikunterricht, und Gruppe 4 (n=10) besuchte eine Vorstellung in der Komischen Oper. Vor und nach dem jeweiligen Konzert sollten alle Schüler auf einer 5-stufigen Skala angeben, welche Art von Konzerten Sie gerne öfter besuchen würden.

Ergebnisse
Zu den bevorzugten Musikstilen dieser Stichprobe zählte nur bei einer Minderheit von 21% der Schüler klassische Musik. Die Mehrzahl der Schüler bevorzugte Rock (68%), R&B/Soul (55%), Pop (40%) und Rap/HipHop (42%) (Mehrfachnennungen waren möglich). Trotzdem wurde das im Rahmen dieser Studie erlebte Konzert von den Schülern insgesamt positiv bewertet (m = 3,95 auf einer 5-stufigen Skala mit 5 = sehr gut). Eine 2-faktorielle ANOVA mit den Faktoren Messwiederholung (prä/post) und Gruppe (1-4) ergab für den Wunsch, ein klassisches Konzert zu besuchen, keine Haupteffekte, aber eine signifikante Interaktion zwischen Messwiederholung und Gruppe. Der Wunsch, ein klassisches Konzert zu besuchen, stieg bei Gruppe 1 und 2, sank aber in Gruppe 4 und blieb in Gruppe 3 unverändert. Für den Wunsch, die Oper oder ein Popkonzert zu besuchen, gab es solche Effekte nicht.

Schlussfolgerungen
Die Ergebnisse bestätigen den Befund älterer Studien, dass erklingende klassische Musik von Jugendlichen positiver beurteilt wird als die Stilkategorie der klassischen Musik. Außerdem zeigte sich, dass es möglich ist, bei Jugendlichen die Lust auf klassische Konzerte zu steigern. In dieser Stichprobe war dies allerdings nur der Fall, wenn Konzerte besucht wurden, nicht wenn Musik im Unterricht gehört wurde.

Weitere Angaben

Publikationsform:Veranstaltungsbeitrag (unveröffentlicht): Kongress/Konferenz/Symposium/Tagung, Vortrag
Institutionen der Universität:Philosophisch-Pädagogische Fakultät > Musikwissenschaft > Professur für Musikwissenschaft
Weitere URLs:
Titel an der KU entstanden:Nein
Eingestellt am:25. Mär 2010 14:33
Letzte Änderung:12. Sep 2012 19:50
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